Das Auto als dominierendes Verkehrsmittel mit seinem hohen Energieverbrauch trägt signifikant zum Klimawandel bei und hat zudem viele negative Auswirkungen auf unsere Gesundheit. Obwohl in den letzten Jahren eine Vielzahl an alternativen und energieeffizienten Mobilitätsoptionen aufgekommen sind, setzen sich diese in unserer autozentrierten Gesellschaft nur langsam durch.
Wie können wir Personen davon überzeugen mehr mit dem Fahrrad zu fahren oder zu Fuss zu gehen? Wie bringen wir sie dazu verstärkt den ÖV zu nutzen oder andere Alternativen, wie z.B. Carsharing oder Mitfahrgelegenheiten in Anspruch zu nehmen. Können wir vielleicht sogar Personen im Arbeitsumfeld dazu bringen virtuelle Meetings zu organisieren um auf manche Fahren ganz zu verzichten?
GoEco! versucht an Stelle traditioneller „Sensibilisierungs“ Methoden durch den Einsatz einer Smartphone App Personen und ihre Mobilität direkt zu beeinflussen. Dabei setzen wir sowohl auf Spielelemente als auch auf die Gruppendynamik die entsteht wenn sich Personen untereinander vergleichen und messen.
Ziele
Das Hauptziel von GoEco! ist herauszufinden, ob und wie Informationen zur Mobilität und soziale Interaktion (z.B. über Gruppendynamiken) dazu beitragen das persönliche Mobilitätsverhalten zu verändern. Forschungsergebnisse aus der Sozial- und Umweltpsychologie zeigen, dass persönliches Feedback zum Verhalten sowie Vergleiche des eigenen Verhaltens mit Anderen das stärkste Potential für die Veränderung zu einem nachhaltigeren Lebensstil hat. Insbesondere die Möglichkeit gegeneinander in einem Wettstreit zu stehen, führt dazu dass einzelne Personen aus der Masse heraus stechen wollen.
Methodik
Um zu testen, ob sich unsere Ziele im Mobilitätssektor verwirklichen lassen führten wir ein „Living Lab“ Experiment durch, d.h., eine Feldstudie in der wir Personen über einen längeren Zeitraum in ihrem normalen Alltag begleiteten. Zwischen 2016 und 2017 hatten ca. 400 Nutzer mit Hilfe einer Smartphone App ihre benutzten Verkehrsmittel aufgezeichnet und verschiedene Spielelemente (z.B. Challenges und Punkte) benutzt, um die Motivation für ein nachhaltiges Mobilitätsverhalten zu steigern.
Um ein detaillierteres Verständnis der komplexen Zusammenhänge von Verhaltensänderungen zu bekommen wurde das „Living lab“ in den beiden Kanton Tessin und Zürich durchgeführt. Die beiden Regionen sind sehr unterschiedlich, sowohl im Hinblick auf die Verfügbarkeit von Mobilitätsoptionen, als auch in der soziokulturellen Einstellungen der Bevölkerung. Um ein besseres Verständnis von den Nutzern der GoEco! App zu bekommen führten wir am Ende der Studie eine grosse Umfrage durch und befragten einzelne Teilnehmer in persönlichen Interviews.
Resultate
Erste Resultate basierend auf den Daten, welche von GoEco! und GoEco! Tracker aufgezeichnet wurden, sind verfügbar: Ein Vergleich zwischen der ersten und der letzten Projektphase zeigt, dass GoEco! Veränderungen im Mobilitätsverhalten herbeiführen konnte. So wurden sowohl der durchschnittliche Energieverbrauch, als auch der CO2 Ausstoss pro Kilometer reduziert. Diese Reduktion wurde jedoch nur in den folgenden Fällen festgestellt:
- Bei «systematischen» Routen, d.h., diejenigen, die regelmässig zurückgelegt wurden (z.B. zur Arbeit fahren).
- Im Tessin – in Zürich wurde eine Erhöhung der Fuss- und Fahrradrouten festgestellt, jedoch ist die Stichprobe nicht geeignet, um eine Generalisierung auf die Gesamtbevölkerung zuzulassen.
Verschiedene Gründe führen zu diesem Resultat. So ist in Zürich z.B. der Gebrauch von öffentlichem Verkehr bereits sehr verbreitet: Autos werden grösstenteils nur benutzt wenn keine Alternativen verfügbar sind (bzw. der Komfortgewinn durch das Auto viel höher ist). Damit ist es natürlich auch schwieriger, das Mobilitätsverhalten nachhaltiger zu gestalten, weil es sich bereits auf einem sehr umweltfreundlichen Niveau befindet. Zudem ist es einfacher, Gewohnheiten bei regelmässigen Routen zu ändern, da diese planbar sind, und einen längerfristigen Effekt erzielen.
